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Konzept, Illustration, Design

Marco dos Santos Pina

Geboren in Lissabon, aufgewachsen in Bonn-Castell. Er war fünf, als seine Eltern herzogen. In Portugal war er der Deutsche. Hier war er der Ausländer. Heute gestaltet er beruflich Identitäten – und hat 32 Motive einer Stadt gezeichnet, die nicht seine Geburtsstadt ist.

Ich hatte immer beide Identitäten in mir. Irgendwann wusste ich, warum ich im Studium den Schwerpunkt visuelle Identitäten gewählt habe.

Portrait von Marco dos Santos Pina
GeborenLissabon
In Bonn seit1980
BerufGrafikdesigner, Künstler
AtelierRömerstraße, Bonn
Sein Weg

Zwei Fächer, ein Talent

In der Schule war Marco nur in zwei Fächern gut: Sport und Kunst. Beides hat ihn hierher gebracht – auf Umwegen.

Warum Bonn? Da müsste ich meine Eltern fragen

Sein Vater kam als Gastarbeiter, arbeitete auf dem Bau, mal im Norden, mal in der Schweiz. Irgendwann bekam er hier einen Vertrag. 1980 zog die Familie nach Bonn-Castell, in die Nähe des Rheins und der Beethovenhalle. Marco war fünf.

Groß geworden im Verein

Er fing beim Bonner SC an. Fußball war sein erstes Zuhause außerhalb der Familie – ein Trainer, eine Mannschaft, jemand, der sagte, wo es langgeht, auch wenn man Mist gebaut hatte. Nach dem Training ging es weiter auf den Bolzplatz. Profi wollte er werden. Er wusste nur nicht, wie das geht.

Du kommst aus Bonn

Marco studierte Design in Düsseldorf. In einer Lehrveranstaltung über Hören und Radiowerbung sprach er kurz mit dem Professor. Der sagte sofort: Du kommst aus Bonn. Marco war fasziniert – dass man das an der Sprache hören konnte. Das Bönnsch, das er nie gelernt und trotzdem hatte.

Späte Befreiung, keine späte Berufung

25 Jahre lang gestaltete er Logos und visuelle Identitäten für kleine und mittelständische Unternehmen. Seit drei Jahren hat er ein eigenes Atelier auf der Römerstraße und arbeitet freier. Das Thema bleibt dasselbe: Identität. Nur ist es jetzt seine eigene. Ausstellungen macht er keine. Aber wer Lust hat, ihn kennenzulernen, ist eingeladen – dann gibt es eine Vernissage zu zweit.

Der schüchterne Mann mit den XXL-Karten

Als die Idee kam, das Spiel in Übergröße mitten in die Stadt zu tragen, war Marco sofort dafür – und sofort dagegen. Denn das hieß: rausgehen. Fremde ansprechen. Er hasst Präsentationen. Im Studium hatte er fast täglich präsentiert; er nennt es Therapie und Hölle zugleich. Aber die Idee war zu stark.

Leo hat ihn hingetragen

Beim ersten Mal nahm er seinen Sohn mit. Leo fing einfach an zu spielen. Und plötzlich ging es. Der Weg dorthin blieb schwer, sagt Marco, jedes Mal. Aber er wusste: Am Abend gehst du nach Hause, und es wird dich glücklich gemacht haben. Genau so kam es.

Wie er arbeitet

Erst dreidimensional. Dann alles noch mal.

Bis zu acht Stunden pro Motiv. Ein ganzer Tag für das Alte Rathaus. Und irgendwann, mitten in der Arbeit, die Entscheidung, alles Bisherige zu verwerfen.

Der Apfel, den er verlor

Sein Sohn aß kein Obst. Also baute Marco ein Memospiel mit Apfelmotiven: Wer ein Paar findet, darf ein Stück essen. Er verlor. Der Sohn aß den Apfel. Marco war zufrieden.

Die Oper hat alles geändert

Zuerst zeichnete er die Motive dreidimensional. Es gefiel ihm nicht. Dann versuchte er die Oper flach – und plötzlich stimmte es. Nur hieß das: alle bisherigen Motive noch einmal von vorn. Er sagt, das habe super viel Spaß gemacht.

Was ihn selbst überrascht hat

Der Titanenwurz kam als Schmuggelgut ins Spiel, untergemogelt zwischen den Wahrzeichen. Marco hätte ihn nicht gewählt. Heute polarisiert er wie kein zweites Motiv: Alle sagen, das Ding stinkt. Und alle reden darüber.

Der Mann, der sich nicht mehr bücken konnte

In der Rheinaue lag das XXL-Memo ausgebreitet. Ein alter Mann kam gebeugt vorbei und sagte, er könne nicht mitspielen, er sei zu alt, er komme nicht mehr runter. Dann fing ein Kind an, Karten aufzudecken. Und der Mann rief: Nee, nee, liegt da vorne! Wenige Minuten später krabbelte er über den Boden und hatte seinen Rücken vergessen.

Er zeichnet auch dich

Zum zehnjährigen Bestehen von Bonn.digital hat Marco Sascha und Johannes gezeichnet – im selben Stil wie die 32 Motive. Als Dank für die Unterstützung der ersten Stunde. Seitdem fragen Menschen, ob er auch sie zeichnen würde. Ihren Laden. Das Haus, in dem sie aufgewachsen sind.

santospina.de